Wildbiologische Studie

Genetic differentiation of wild boar populations in a region affected by African swine fever

Kurzantwort

1.262 Wildschweine aus 31 Revieren in Ostdeutschland: Die A11 wirkt als starke Barriere, andere Autobahnen kaum - und das Elbtal verbindet, statt zu trennen.

Gilt für
Schwarzwild, Wildkrankheiten & Hygiene, Monitoring & Methodik, Jagdmanagement & Bejagung, Raumnutzung & Verhalten, Population & Genetik; wissenschaftliche Einordnung, keine Rechts- oder Einzelfallberatung
Datenstand
Originalpublikation 2024
Autorinnen & Autoren
Uta Simon, K Gerhards, S Becker, H Willems, V Friedrichs, JH Forth, S Calvelage, S Blome, Gerald Reiner
Veröffentlichung
European Journal of Wildlife Research 70, 54 (2024)
Verlag
Springer Science and Business Media LLC
Lizenz
CC BY 4.0
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Wie stark sind Schwarzwildpopulationen in Ostdeutschland genetisch voneinander getrennt, und welche Landschaftselemente wirken tatsächlich als Barriere?

Die Studie in Kürze

1.262 Wildschweine aus 31 Revieren in Ostdeutschland: Die A11 wirkt als starke Barriere, andere Autobahnen kaum - und das Elbtal verbindet, statt zu trennen.

Methodik & Datenbasis
1.262 Wildschweine aus 31 Jagdgebieten in ASP-betroffenen und ASP-freien Landkreisen, beprobt über eine Fläche von fast 100.000 km². Die genetische Differenzierung wurde über 12 Mikrosatelliten-Marker bestimmt, mit drei verschiedenen Bayes-Algorithmen ausgewertet und zu einem gemeinsamen Ansatz mit neun Clustern zusammengeführt. Aus der Clusterverteilung je Population wurde die Konnektivität zwischen den Gebieten quantifiziert. Die Region ist seit September 2020 von der Afrikanischen Schweinepest betroffen.
Befunde
Die stärkste Trennung verlief entlang einer gedachten Linie vom unteren Elbtal über Berlin und die Autobahn A11 bis zum Stettiner Haff. Die Mecklenburgische Seenplatte und der Südosten des Untersuchungsgebiets zeigten dagegen starke Verbindung. Das untere Elbtal wurde als gut verbindend eingeschätzt, während die A11 im Gegensatz zu den anderen Autobahnen im Gebiet stark als Barriere wirkte - Barrierewirkung ist also nicht grundsätzlich verallgemeinerbar, sondern hängt an den Gegebenheiten des einzelnen Bauwerks. Der Abgleich mit der Verteilung von Viruslinien und -varianten ergab, dass Genotypen der Schwarzwildpopulationen und ASFV-Linien die beobachtete Seuchendynamik gut erklären.
Einordnung für die Praxis
Für die ASP-Bekämpfung heißt das: Bei Zäunen und Sperrlinien muss die tatsächliche Durchlässigkeit des Geländes zählen, nicht die Annahme, dass eine Autobahn oder ein Fluss trennt - Flusstäler können sogar verbinden. Für Ostdeutschland liefert die Arbeit eine konkrete Karte der Austauschbeziehungen zwischen Revieren.
Grenzen der Studie
Mikrosatelliten geben Austausch über Generationen wieder, nicht aktuelle Einzelwanderungen. Die Proben stammen aus Jagdstrecken und sind damit von der Bejagung mitbestimmt.

Zusammenfassung von JAGDNAVIGATOR, kein Originaltext der Autorinnen und Autoren. Grundlage ist das Abstract der Arbeit.

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