Erstmalig erstellt: Zuletzt geändert: Redaktionelle Verantwortung: WSK

Gestalt und Erkennungsmerkmale

Der Steinbutt (Scophthalmus maximus) ist die Königin der Plattfische. Er besitzt einen fast kreisrunden, scheibenförmigen und fleischigen Körper. Seine Augen liegen ausnahmslos auf der linken Körperseite (Linksaugen-Flunder). Ein absolut unverwechselbares Merkmal ist das völlige Fehlen von Schuppen auf der Augenseite; stattdessen ist die raue Haut mit zahlreichen harten, knöchernen Höckern ('Steinen') übersät. Die Färbung ist ein Meisterwerk der Tarnung: Sie passt sich dem jeweiligen Untergrund perfekt an und reicht von sandgelb über kiesgrau bis zu dunkelbraun mit gesprenkelten Flecken; die Blindseite ist glatt und weiß. Das Maul ist groß, schräg nach oben gerichtet und mit feinen, spitzen Zähnen besetzt.

Laichzeit und Fortpflanzung

Die Laichzeit erstreckt sich von April bis August im flacheren Küstenwasser in Tiefen von 10 bis 40 Metern auf Schotter- und Sandbänken. Ein großes Steinbutt-Weibchen kann bis zu 15 Millionen winzige Eier ablegen – eine der höchsten Fruchtbarkeitsraten aller Meeresfische. Die Larven leben pelagisch und symmetrisch an der Meeresoberfläche; nach vier bis sechs Monaten wandert das rechte Auge auf die linke Seite, und die Jungtiere siedeln sich in der Brandungszone flacher Sandstrände an.

Gewässer und Lebensraum

Der Steinbutt bewohnt die europäischen Küstengewässer des Nordatlantiks, der Nordsee, der Ostsee sowie des Mittelmeers und Schwarzen Meeres. Er ist ein Bodenbewohner, der kiesige, sandige oder gemischte Geröllböden in Tiefen von 2 bis 70 Metern bevorzugt. Er gräbt sich blitzschnell mit Flossenschlägen so tief in den Sand ein, dass nur noch die aufgewölbten, unabhängig voneinander beweglichen Augen herausschauen, um auf Beute zu lauern.

Angelmethoden und Montagen

Die gezielte Angelei auf Steinbutt erfolgt entweder vom driftenden Kleinboot mit Naturködersystemen oder vom Ufer aus als Brandungsangeln an tief abfallenden Sand- und Kiesstränden. Als Montagen dienen Durchlauf- oder Paternoster-Systeme mit flach am Grund spielenden Ködern. Ein Klassiker ist das Fischen mit Buttlöffeln (speziellen, gewölbten Bleikörpern von 30 bis 80 g), die beim Schleppen über den Grund Staubwolken aufwirbeln und die Neugier des Steinbutts wecken.

Fischschutz und Schonbestimmungen

Langsamwüchsig und begehrt. ICES und nationale Maßnahmen steuern die Entnahme. Der Steckbrief setzt keine Zentimeter.

Speisewert und Verwertung

Eines der teuersten Plattfischfilets. Fest, großflockig, mit kräftiger Haut.

Verwechslungsarten und sichere Bestimmung

Der Steinbutt wird am ehesten mit dem Glattbutt (Scophthalmus rhombus) verwechselt. Der Glattbutt besitzt jedoch eine ovale Körperform, echte feine Schuppen und keine knöchernen Höcker auf der Haut. Flunder, Scholle und Kliesche haben ihre Augen auf der rechten Körperseite und besitzen eine völlig andere Gestalt.

Der Fisch im Jahresverlauf

Im zeitigen Frühjahr (März/Mai) ziehen die Fische in flache Brandungsbereiche und Sandstrände, wo sie im Knie- bis Hüfttiefen Wasser jagen. Von Juni bis August laichen sie in etwas tieferem Wasser. Der Herbst (September bis November) ist die ertragreichste Zeit für Bootsangler auf den küstennahen Sand- und Kiesbänken. Im Winter ziehen sie sich in größere Tiefen jenseits von 40 Metern zurück.

Schonende Landung und Hakenlösung

Steinbutte sind erstaunlich robuste Fische. Beim Brandungsangeln können untermassige Exemplare bei schonender Hakenlösung mit hoher Überlebenschance zurückgesetzt werden. Entnommene Fische sollten gekühlt transportiert werden.

Köderwahl und saisonale Taktik

Der Steinbutt ist ein aktiver Sicht- und Raubfisch, der lebende oder frische Fischbeute bevorzugt. Ganze Sandaale (Tobiasfische), frische Herings- oder Makrelenstreifen sowie kleine Plattfischfetzen sind Topköder. Auch schlanke weiße oder transparente Gummifische und Fransenjigs, die langsam über den Grund gezupft werden, verleiten den Lauerjäger zu vehementen Attacken.

Drill, Landung und schonendes Handling

Der Biss eines Steinbutts kündigt sich oft durch ein rhythmisches Rucken oder ein plötzliches schweres Gewicht an, da der Fisch die Beute am Grund festdrückt. Nach dem Anhieb wehrt sich der scheibenförmige Fisch durch massiven Wasserdruck und kraftvolle Fluchtversuche zum Grund. Zur Landung ist ein stabiler Unterfangkescher unerlässlich, um das Ausschlitzen der Haken an der Bordwand zu verhindern.

Küchenpraxis und kulinarische Verwertung

Der Steinbutt gilt in der internationalen Haute Cuisine als einer der edelsten Speisefische überhaupt. Sein reinweißes Fleisch ist extrem fest, feinstrukturiert und besitzt ein volles, unvergleichlich nussiges und feines Aroma. Er wird traditionell im Ganzen pochiert (in der klassischen 'Turbotière'), auf der Gräte im Ofen mit Kräuterbutter gebacken oder filetiert aufgeschäumt serviert. Auch die gelatinereichen Flossensäume gelten unter Kennern als Delikatesse.

Bestandslage und Gefährdung

Die Bestände in Nord- und Ostsee stehen unter hohem fischereilichem Druck durch Stellnetz- und Baumkurrenfischerei. In vielen Ländern gelten Mindestmaße (z.B. 30 cm in der Ostsee, 30 bis 35 cm in der Nordsee). Zunehmend wird Steinbutt auch in geschlossenen marinen Aquakulturanlagen nachhaltig gezüchtet.

Was gilt für Steinbutt in meinem Rechtsraum?

Für Steinbutt ist bisher in keinem Rechtsraum eine Schonzeit oder ein Mindestmaß mit Fundstelle hinterlegt. Das bedeutet nicht, dass keine gelten. Maßgeblich ist die Fischereiverordnung des Bundeslandes beziehungsweise Kantons und der Erlaubnisschein des Bewirtschafters.

36 Rechtsräume noch nicht erfasst – Liste anzeigen

Für diese Rechtsräume liegt im Portal noch kein belegter Wert vor. Das ist keine Aussage über die Rechtslage dort. Bitte in der amtlichen Verordnung nachsehen.

Verbindlich sind ausschließlich die jeweils geltenden amtlichen Regelungen sowie der Erlaubnisschein für das befischte Gewässer. FISCHNAVIGATOR gibt diese Angaben wieder und bietet keine Rechtsberatung.

Meere

Angelziele

Häufige Fragen zu Steinbutt

Woran erkennt man den Steinbutt gegenüber der Scholle?

Der Steinbutt hat die Augen links und eine höckerige Haut. Die Scholle hat die Augen rechts und glatte, knochenartige Höcker in der Haut.

Lebt der Steinbutt nur im Meer?

Ja. Er braucht Salz. In Flussmündungen steht er nur, solange der Salzgehalt reicht.

Quellen und Evidenz

2 Einträge
  1. Fachverband / Körperschaft Abruf: 19.8.2026

    Scophthalmus maximus in FishBase

    FishBase Consortium Primärdokument öffnen
  2. Fachverband / Körperschaft Abruf: 19.8.2026

    ICES Advice on fishing opportunities

    International Council for the Exploration of the Sea Primärdokument öffnen